November 1941, Stalag XB. Der Mann ohne Gedächtnis - genannt “La Globule” - flüstert Nestor Burma auf dem Totenbett eine geheimnisvolle Adresse zu: “120, rue de la Gare”. Dezember 1941, Bahnhof Lyon-Perrache. “120, rue de la Gare”, ruft der sterbende Bob Colomer seinem Chef zu. Was bedeutet diese geheimnisvolle Adresse? Und wird Nestor Burma - der Mann, der jedes Rätsel knackt - auch diesen Fall lösen?
Léo Malets berühmter Kriminalroman erschien im Jahr 1943. Der Autor setzte damit die Figur des Privatdetektivs Nestor Burma in ein Frankreich, das von der deutschen Besatzung und vom Vichy-Régime unter Marschall Pétain bestimmt war. Burma, der als Soldat in einem deutschen Kriegsgefangenenlager zwischen Bremen und Hamburg interniert ist, lernt dort sonderbare Menschen kennen, die schon bald nach seinem Rücktransport nach Frankreich in einem anfangs undurchschaubaren Gewirr von tragischen Ereignissen wieder auftauchen werden.
Jacques Tardi, der aus dem Krimi einen umfangreichen Comic von nahezu 200 großformatigen Seiten werden ließ, löst für den Leser die Schwierigkeit, sich in der komplexen Erzählung zurechtzufinden, indem er einige Zwischenzusammenfassungen gibt und eine passende Bildsprache wählt, die zur Orientierung in der Fülle an Personen verhilft. Der Reiz der Geschichte liegt in ihrer Konstruktion, die Nestor Burma und den Leser immer wieder in Sackgassen führt, aus denen Zufälle und neue Erkenntnisse jeweils zur rechten Zeit einen Ausweg zeigen. Zudem wirken die Panelhintergründe als stimmige Zeitzeugen und bergen gelegentlich humorige Details, wenn zum Beispiel unvermittelt auf Comics von Hergé oder Edgar P. Jacobs angespielt wird.
Für alle, die sich für diese Details interessieren, hat Jean-François Douvry eigens das Buch "Rendez-vous 120, rue de la Gare. Autopsie einer Adaption" geschrieben, das über Tardis detailfreudige Arbeit staunen lässt.
48 Seiten, Hardcover